Das Archivgut der öffentlichen Verwaltung bildet den größten Teil des in Apenrade verwahrten Materials. Aufgrund der besonderen Geschichte Schleswigs wird es in drei große Zeitabschnitte eingeteilt.
Vom Beginn des 13. Jahrhunderts bis 1864 war Schleswig ein selbständiges Herzogtum unter der dänischen Krone. Das älteste im Landesarchiv erhaltene Dokument ist die Schrage der Stadt Apenrade von 1335. Die wichtigsten Archive aus diesem Zeitraum sind folgende:
Amtsarchive der Ämter Hadersleben, Apenrade-Lügumkloster, Sonderburg-Norburg und Tondern (spezielle Akten des Südteils des letzteren finden sich im Landesarchiv zu Schleswig) sowie des Stiftsamtes Ripen, soweit es dessen im Herzogtum Schleswig gelegene Enklaven betraf, und einige wenige Akten des Amtes Flensburg enthalten wichtige Informationen zu nahezu allen Bereichen des öffentlichen Lebens.
Die Archive der Rechtsbediensteten der verschiedenen Harden, Birke und Städte enthalten unter anderem die Schuld- und Pfandprotokolle und einen großen Teil der Justizangelegenheiten im weitesten Sinne.
Amtsstubenarchive enthalten vor allem Akten der Finanzverwaltung im weitesten Sinne, darunter die "Erdbücher", die die Besitzverhältnisse der jeweiligen Zeit wiedergeben.
Hausvogteiarchive bieten Unterlagen über den Besitz der öffentlichen Hand, von staatlichen Gebäuden über das Straßenwesen bis hin zu Gewässern und Schleusen.
Kopien der Volkszählungen sind vor allem für diejenigen von hohem Wert, die sich mit Ahnenforschung und Personengeschichte befassen. Diese sind im Freihandbereich des Lesesaals offen zugänglich.
Ab 1864/67 wurde Nordschleswig ein Teil der neu geschaffenen preußischen Provinz Schleswig-Holstein. Die Administration wurde weitgehend nach preußischem Muster umgestaltet und gestrafft. Als wichtigste Archive dieses Zeitraums seien genannt:
Landratsarchive mit den dazugehörigen Kreisausschussarchiven aus den neu gebildeten Landkreisen Hadersleben, Apenrade, Sonderburg und Tondern.
Archive der Hardesvogteien (l867-1889) und Amtsvorsteher (1889-1990), der lokalen Polizeidienststellen unterhalb der Landkreisebene, geben Auskunft über die Angelegenheiten der inneren Ordnung.
Amtsgerichtsarchive enthalten unter anderem die Grundbücher über die Besitzverhältnisse der damaligen Zeit, sowie über alle juristischen Angelegenheiten.
Standesamtsarchive mit den Melderegistern sind wiederum für Familienforscher besonders interessant.
Als weitere Spezialarchive seien hier noch die Physikatsarchive (Berichte und Korrespondenz der Amtsärzte), Archive der Branddirektorate, der Hilfskassen auf Landkreisebene, der Bauaufsicht und schließlich der Forstverwaltung genannt. Die Archive der Kreisbahnen in Nordschleswig (bis l939) geben schließlich Aufschluss über ein besonders interessantes Kapitel der Technikgeschichte im Land.
Durch die Volksabstimmung nach dem Ersten Weltkrieg wurde Nordschleswig wieder in den dänischen Staat eingegliedert. Anders als in der Zeit vor 1864 erhielt die Region jedoch keine Sonderstellung, und in nahezu allen Bereichen wurde die Administration derjenigen im übrigen Dänemark angepasst. Zu den wichtigsten Archiven ab 1920 gehören:
Amtsarchive der Ämter Apenrade, Sonderburg (ab 1932 vereinigt), Hadersleben und Tondern mit den dazugehörigen Amtsratsarchiven, enthalten außerdem das Nationalregister von 1921, in dem sämtliche Einwohner des Landesteils erfasst sind. Darüber hinaus enthalten sie Informationen über den Werdegang der Region auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens. Ihnen beigeordnet sind die Archive der Amtsräte, der Schulverwaltung und der Verkehrsverwaltung.
Polizeimeisterarchive haben für die Beschäftigung mit der Geschichte der deutschen Minderheit und der Grenze eine wichtige Bedeutung. 1934 wurde das Amt des Polizeiadjudanten geschaffen. der für eine bessere Koordination der Polizeiarbeit im Landesteil verantwortlich war. Ab 1945 gab es eine Polizeikommandantur für Südjütland, die die speziellen Aufgaben im Grenzland bis etwa 1958 wahrnahm.
Landgerichtsarchive (Dommerarkiver) enthalten unter anderem die Grundbücher. Darüber hinaus gibt es eine große Anzahl fachbehördlicher Archive, etwa der Arbeitsämter, des Zoll- und Steuerwesens, der Amtsärzte, der Verkehrsbehörden und der regionalen Abteilung der Dänischen Staatsbahnen, der Bauaufsicht, der Forstverwaltung und einiger anderer Behörden.
Stadtarchive der Städte Apenrade, Sonderburg und Tondern befinden sich größtenteils vollständig im Landesarchiv. Aus Hadersleben findet sich jedoch nur ein recht kleiner Bestand älterer Dokumente (vor allem der Polizeiverwaltung vor 1864). Diese Stadt verfügt als einzige in Nordschleswig über ein selbständiges Stadtarchiv, das unter der folgenden Adresse zu erreichen ist: Haderslev Byhistoriske Arkiv, Bispebroen 3, 6100 Haderslev; Telefon: (0045) 74 22 21 19; Homepage: www.bispen.dk
Fleckensarchive enthalten die Archivbestände der größeren Orte, die als "Flecken" einen besonderen Status zwischen den mit Stadtrecht bewidmeten Städten und den Landgemeinden genossen. Alle fünf Flecken der Region - Christiansfeld, Lügumkloster, Hoyer, Norburg und Augustenburg (das oft als Flecken bezeichnete Gravenstein wird als Landgemeinde geführt) - verfügen über eigene Archivbestände in unserem Haus.
Archive der Landgemeinden sind zum einen die Bestände vieler der kleinen preußischen Landgemeinden, die nicht selten auch in die Zeit vor 1864 zurückgehen. Den größeren Bestand machen allerdings die Archive der Kirchspiel-Landgemeinden zwischen 1920 und 1970 aus.
Auch die kirchlichen Archivalien aus der Region finden sich im Landesarchiv . Sie sind für die Familienforschung von zentraler Bedeutung. so vor allem die im Original erhaltenen und in unserem Lesesaal in Form von Kopien frei zugänglichen Kirchenbücher, deren ältestes aus dem Kirchspiel Jordkirch bis in das Jahr 1573 zurückreicht.
Die Pastoratsarchive aus allen nordschleswigschen Kirchspielen sind vorhanden, ebenso die Propsteiarchive und die Bistumsarchive, soweit sie Nordschleswig betreffen (Südteil Bm. Ripen, Nordteil Bm. Schleswig und dessen Nachfolger Bm. Hadersleben). Vor allem für die ältere Zeit enthalten diese viele interessante Quellen zu Themen, die heute nicht mehr direkt in den Geschäftsbereich der Kirche fallen, z. B. das Schulwesen, das Armenwesen u.a. Des weiteren verfügt das Landesarchiv über Mikrofiches aller dänischen Kirchenbücher bis 1891, so dass das Landesarchiv in Apenrade Familienforschung über die Region hinaus wesentlich erleichtern kann. Das Landesarchiv hat außerdem Mikrofiche-Kopien aller südschleswigschen Kirchenbücher.
Karte über die Kirchspiele